Wer sich fordert, wächst

Wer meinen Blog schon ne Weile verfolgt, der hat mitbekommen, dass ich sehr darunter gelitten habe, dass meine Leistungsfähigkeit sehr eingeschränkt war. Die Gründe dazu will ich nur ganz kurz auflisten: MS-Schub – 2x Kortisonstoßkur hintereinander – 3 Monate Betainterferone gespritzt – mindestene genauso lange Johanniskraut gegen Depressionen genommen. Das machte aus meinem vorher immer gut funktionierenden Kopf eine weiche unnütze breiige Masse. Ehrlich, das klingt jetzt vielleicht sehr hart, aber ich habe selbst ein “Bringst du mir bitte einen Kaffee” auf dem Weg aus dem Büro meiner Chefin vergessen, als ich bei ihr aus dem Zimmer rauswar – das waren max. 5 Schritte. Und jahaaa: das war unlaublich erschreckend, deprimierend und total ängstigend! DAVOR konnte ich einen ganzen Wochenplan detailliert auswendig und habe nebenbei noch andere Hobbies gehabt, wo man auch die Denmurmel brauchte. DANACH war ich wie ein Zombi im Kopf, ja genau, das ist ein guter Vergleich. Je länger ich darüber nachdenke, desto zutreffender wird der Vergleich. Du kannst dich zwar eigentlich normal bewegen, aber dein Hirn is auf dem Stand eines Vorschulkindes… das war sooo gruselig.

Aber ich habe nicht aufgegeben und mich in den Arsch getreten und mich immer weiter motiviert, mich herausgefordert und immer wieder bewusst ein Stück überfordert, denn ich konnte nicht glauben, dass das mein endgültiger Zustand sein sollte, auf dem ich stehenbleiben und alt werden sollte. Leider ist es bei vielen MS-Diagnostizierten so, dass Ihnen eingeredet wird, dass das der Zustand “status quo” ist, der im besten Fall gehalten werden kann, aber sich vermutlich nicht wieder bessern wird, sondern eher verschlimmert. Was ich nachvollziehen kann, denn mit der ganzen Chemie im Körper ist das sicherlich auch genau so. Aber ich habe alles abgesetzt und bin einen unkonventionellen Weg gegangen (Betainterferone abgesetzt, Ernährung drastisch auf vegane Rohkost umgestellt – somit auch begonnen mich glutenfrei zu ernähren) und gerade heute Abend überkam mich eine so tiefe Dankbarkeit für meinen eigenen mir gemachten Weg, dass ich das gern mit Euch teilen will. Und da ich nicht mehr wirklich öffentlich bin, sprich in Schlumpiklamotten und völlig verwilderte Haare und sowas alles, hab ich mich dazu entschlossen kein Video zu drehen, sondern mal wieder nen längeren Artikel zu verfassen. Jetz aber wieder zurück zum Thema.

Ich habe eute Abend gemerkt, dass ich wieder fast auf dem Leistungsstand meines “DAVOR”-Standes bin. Ihr wisst, ich habe vor 3 Tagen mein Nebengewerbe, das Ernährungs- und Lebenscoaching, gestartet und *hust* mal so nebenbei arbeite ich auch gerade sehr engagiert an meinem nächsten Herzensprojekt, der 30-Tage-Glutenfrei-Challenge, was ich auch vor nicht allzu langer Zeit ins Leben gerufen habe. Ich habe also gerade 3 Homepages zu betreuen, davon muss ich bei den zwei neuen noch die Kinderkrankheiten ausmärzen, außerdem die dazugehörigen Facebook-Seiten bauen und betreuuen und muss diverse koordinatorische, organisatorische und zwischenmenschliche Themen im Überblick behalten und koordinieren und deligieren, denn die Challenge stemme ich nicht allein, da ist ein großartiger Haufer Blogger und YouTuber zusammegekommen, die mich da unglaublich unterstützen und ohne die es in so kurzer Zeit nicht stämmbar wäre. Und achja, ich hab ja auch noch nen 30 Stundenjob, der mein Leben finanziert und eigentlich auch noch n paar andere Freizeitaktivitäten, für die ich mir gern Zeit nehme, aber wisst ihr was? Heute Abend habe ich es geschafft mit 3 Chats, die parallel liefen, diverse Blogartikel zu verfassen, verschiedene Fragen hier und da zu beantworten und… ES GING PROBLEMLOS! Ich hab geschafft! Ich bin fast wieder zur alten Stärke zurückgekehrt. Ich habe alles recht einfach bewältigt und ich habe in meinem Kopf alles gut trennen und einzeln bewerten können, um es nach und nach abzuarbeiten.

Und ich muss jetzt ehrlich gesagt gerade mal ins Taschentuch schnüffeln. Menschen ohne eine Einschränkungen werden sich das nicht so gut vorstellen können, aber wenn du etwas verloren geglaubt hast, und du auf einmal merkst, dass es wieder da ist, wovon keiner geglaubt hätte, dass es möglich ist, dann ist das etwas ganz ganz besonderes. Ich bin mir gerade am dankbarsten, dass ich mich dazu gezwungen habe, all diese Projekte anzufangen und durchzuziehen, denn so habe ich es geschafft mich Stück für Stück zurück zu kämpfen. WIEL ICH ES KANN! genau das schrieb ich heute meiner besten Freundin, nachdem ich ihr aufzählte, was ich gerade alles mache. Und das ist mein Schlüssel zum Erfolg: ich habe mich niemals aufgegeben und ich habe immer an mich geglaubt und ich wollte es allen zeigen und das werde ich auch immer. Es hat jetzt fast 2 Jahre gebraucht, aber ich bin zurück. Mich bekommt man nicht einfach unter, oh nein, ich werde immer wieder hochkommen: WEIL ICH ES WIRKLICH WILL! Vielleicht ist euch das jetzt alles zu schmalzig und paraphrasiert und klingt nach abgedroschenen Hollywood-Schmalz-Schinken-Phrasen, aber es ist genau das, was ich gerade denke und ich bin von einer so tiefen Dankbarkeit erfüllt, dass ich gemacht habe, was sich richtig für mich angefühlt hat, dass ich diesen Augeblick auskosten möchte.

Ich sitze hier auf meine Balkon in einem Korbsessel, neben mir ein Tisch auf dem ganz wundervoll duftenden Pfingstrosen stehen, ich habe köstlich gegessen (Rezept folgt die Tage) und höre inspirierende und gute-Laune-fördende Jazzmusik und beobachte meine Katzen ab und zu, wie sie Krabbeltierchen neugierig nachstellen. Das Balkonlicht besteht aus einer gelb-orangenen Lichterkette kurz über dem Boden und einer verspielten lila Lichterkette, die den Handlauf umschlingt. Es ist herrlich ruhig in meiner kleinen Balkon-Welt hier und ich genieße die laue Sommernacht. Kennt ihr das Gefühl auch, wenn ihr so glücklich seid, dass ihr heulen könntet und es dann auch macht? Ich ja, und so gehts mir gerade; nur mein Lieblingsmensch, der fehlt mir gerade, er ist Arbeiten, aber irgenwas is halt immer.

Nochmal zurück zu diesem tiefen Gefühl der Dankbarkeit. Das habe ich erst die letzten Jahre gelernt und genau aus diesem Grund bin ich auch dieser Krankheit so Dankbar, denn ohne sie hätte ich es niemals so schnell so weit geschafft, in meiner Persönlichkeitsentwicklung. Ich bin auch echt stolz auf mich, dass was ich gerade so viele tolle Projekte erschaffe, auch wenn der Plan meinen Heilpraktiker schnell fertig zu machen nun wieder nach hinten rückt, aber es fühlt sich trotzdem gut an, denn was ich mache ist der Grundstock für mein weiteres Leben und auf die 4 oder 8 Wochen mehr kommts nun wirklich nicht an 😉 .Spaß beiseite, es fügt sich dieses Jahr einfach alles irgendwie wie geschmiert zusammen und ein Zahnrädchen greift ins nächste und es läuft einfach! Und ich weiß, genau das hab ich mir auch echt hart verdient. Is ja nu nich so, als ob ich nix dafür getan hätte.

So jetz hab ich schon wieder “mal eben” über 1.000 Wörter für Euch niedergeschrieben und ich hoffe, ich konnte Euch ein gutes Stück in meine kleine Welt mitnehmen und ihr hattet Spaß dabei und ich konnte Euch vielleicht auch dazu inspirieren an Euch zu glauben und euch mehr herauszufordern um daran zu wachsen. Hört nicht auf neugierig zu sein, auf das, was ihr noch erreichen könnt und hört bloß nich auf weiter hinaus zu wollen (das ist übrigends total themenunabhängig gültig). Wenn du etwas wirklich willst, dann schaffst du es auch. Natürlich leben wir nicht im Schlaraffenland und du musst dafür hart Arbeiten, aber wenn du etwas tust, was du liebst dann ist hartes Arbeiten was ganz tolles und macht dir wahnsinnig viel Spaß. Ich habe die letzten 10 Tage fast täglich 14 bis 16 Stunden gearbeitet und ich hatte soo viel Spaß dabei und habe so unglaublich viel geschafft und geschaffen, auch darauf bin ich stolz. Und das darf ich auch sein, denn ich hab ja ne MS und “eigentlich” sollte ich sowas nicht machen. Aber: APÜH!

Damit ich aber nicht zu kurz komme, gönne ich mir morgen einen Tag am See mit meinem Lieblingmenschen und werde dann ab Abends erst wieder in die Tasten hauen (früher wars das Klavier, heute ists der Laptop/PC…scheiß moderne Zeit 😉 😛 ). Und jetzt wede ich einfach noch etwas mit meinen Katzen schmusend auf dem Balkon sitzen, der Jazzmusik lauschen und meinen Gedanken nachhängen. Schlaft gut und bis bald… *drückeuch*

…hier noch ein paar Impressionen…schlaft gut!

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© Mein Weg in die Gesundheit 2019 - Copyright by Sophia Kröhner || Die Beratung bei mir möchte an die Eigenverantwortung sich selbst gegenüber appellieren und ersetzt nicht den Weg zum Arzt, Heilpraktiker oder Psychologen.

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