Todsünde: Zucker und die gesunde Alternative Xylit

Nachdem ich die letzten Wochen mehrmals darauf hingewiesen wurde, dass ein Beitrag über Zucker fehlt, wollte ich es dann jetzt mal nachholen. Auch diesmal bediene ich mich einem Artikel von René Gräber, denn das Rad muss nicht neu erfunden werden und diesen Artikel finde ich mal wieder irre gut.

Ich kann Euch den kompletten Artikel nur ans Herz legen, er ist äußerst interessant, doch ich möchte hier “nur” einige Abschnitte zur Anregung zitieren.

Zucker – das Opium fürs Volk

Es ist noch nicht besonders populär, aber heute weiß man, dass der Genuss von Zucker im Gehirn die Produktion von natürlichen Opioiden anregt. Ein langanhaltender Genuss von Zucker in entsprechenden Mengen steht somit im Verdacht, einen Abhängigkeitsprozess in Gang zu setzen. Somit wird das Gehirn von der stimulierenden Freisetzung seiner eigenen Opioide abhängig. Die Intensität und das Abhängigkeitspotential sind schon fast mit dem von bestimmten anderen Drogen zu vergleichen. Ich spreche in diesem Zusammenhang von einer “Zuckersucht“.

Laut wissenschaftlicher Forschung gab es bei den Geschmacksrezeptoren der Zunge für „süß“ keine adäquate Evolution, die an die heutige Nahrung angepasst ist. Denn vor 50.000 Jahren und danach gab es kaum zuckerhaltige Nahrungsmittel, so dass die Zunge „überempfindlich“ auf süße Nahrungsmittel reagierte. Dies war von Vorteil für die Urmenschen, da zuckerhaltige Nahrungsmittel wichtige Energiequellen waren, die Energie fast augenblicklich freisetzen konnten und das Überleben sicherten. Heute brauchen wir diesen „Suchmechanismus“ für zuckerhaltige Nahrungsmittel nicht mehr, weil in unseren Nahrungsmitteln, dank der Nahrungsmittelindustrie, mehr als genug Zucker enthalten ist und weil es in der Regel nicht an „Futter“ mangelt. Früher diente diese Empfindlichkeit der Zunge und der damit verbundene Belohnungsmechanismus im Gehirn über die Opioidbildung dem Überleben der Urmenschen.

Heute fällt der Überlebensaspekt weg. Was bleibt ist die Belohnung im Oberstübchen durch den Genuss von Zucker in allen Varianten. Dies ist ein Faktum, was auch der Nahrungsmittelindustrie nicht verschlossen blieb. Denn warum sonst werden – vor allem für Kinder – „gesunde“ Nahrungsmittel mit Zucker ohne Ende versetzt? Der Grund ist das Suchtpotential von Zucker, was die Kunden zu Dauerkunden macht, vergleichbar mit dem Junkie auf der Straße, der auch nicht mehr ohne seinen Schuss auskommen kann. Und zufälligerweise ist Zucker auch noch ein billiger Stoff, der die Herstellungskosten aller Fertiglebensmittel senken hilft. Damit stehen alle Signale auf Ausbildung einer Zuckersucht: eine staatlich legitimierte Abhängigkeit von “(Fast-)Opioiden” unter Zuhilfenahme von natürlichen Prozessen?

Wahrscheinlich haben Sie bereits beim lesen obiger Zeilen bereits die Stirn gerunzelt und bezweifelt, ob Zucker wirklich eine so potente abhängig machende Wirksamkeit haben kann. Jedenfalls tun das fast alle meine Patienten, wenn ich diesen Zusammenhang herstelle. Und Mütter denen ich die Frage stelle, ob sie ihren Kindern auch Drogen anbieten würden, zeigen sich mitunter empört. Manche halten mich auch einfach nur für einen “Spinner”. Es ist ja auch fast unvorstellbar. Und wenn dem so wäre, dann hätte der Staat doch schon längst… Hat er aber nicht – darum kann dem nicht so sein.

Was nicht wahr sein kann – weil es nicht wahr sein darf

Fein. Seien Sie ruhig skeptisch und glauben nicht alles was ich hier so von mir gebe. Ich bin aber nicht alleine mit meiner “Zucker-Drogen-Meinung”. Der amerikanische Kinderarzt und Endokrinologe Dr. Lustig sieht das zum Beispiel ebenso. Er behauptet, dass das Suchtpotential von Zucker so hoch ist, dass die meisten Menschen (Ausnahmen bestätigen die Regel), nicht in der Lage sind, genug Willenskraft aufzubringen, um dem permanenten Angebot von Zucker in den Nahrungsmitteln zu widerstehen.

Dr. Lustig sagt dazu:

Das Belohnungszentrum des Gehirns, der Nucleus accumbens (siehe auch de.wikipedia.org/wiki/Nucleus_accumbens), ist für unser Überleben als Spezies von hoher Bedeutung. Denn wenn dieses Belohnungssystem des Gehirns ausgeschaltet werden würde, dann würde auch der Lebenswille der Betroffenen ausgeschaltet. Aber eine lang anhaltende Stimulation dieses Belohnungszentrums mündet in der Ausbildung einer Abhängigkeit, einer Sucht. Bei einem übermäßigen Konsum einer Substanz, Zucker eingeschlossen, erhält der Nucleus accumbens ein Dopaminsignal, das das Wohlgefühl auslöst. Das Wohlgefühl wiederum motiviert zum weiteren Konsum der Substanz, die das Gefühl initiiert hat. Das Problem ist, dass bei einem längeren Konsum dieses Signal abgeschwächt wird (vergleichbar mit dem Geruch im Raum oder Insulin und Leptin in hohen Dosen – Anm. v. m.). Daher muss der „Genusssüchtige“ mehr konsumieren, um die gleichen Effekte zu erleben. Wenn man dann dieser Abhängigkeit durch Konsumverzicht entgegenwirken will, dann treten die Entzugserscheinungen auf. Resistenz- bzw. Toleranzentwicklung und Entzug sind Zeichen einer Sucht. Damit soll man sich nichts vormachen: Zucker hat ein Suchtpotential.

Und das ist gar nicht mehr lustig. Damit lässt sich (oh Wunder), Zucker physiologisch auf eine Stufe stellen mit Alkohol, Nikotin, Kokain, Morphin, Cannabis und anderen Suchtmitteln. Und weil viele Suchtmittel nicht nur einfach mal süchtig machen, sondern eine Gefahr für die Gesundheit und das Leben der Konsumenten sind, ist Zucker auch nicht einfach nur der harmlose Stoff, für den er allgemein gehalten wird: Zucker ist für die Ausbildung von Übergewicht verantwortlich, mit all seinen Folgeerscheinungen wie Hypertonie, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankung und anderen tödlichen Komplikationen.

Es gibt heute aus meiner Sicht nur sehr wenig Zweifel darüber, dass Zucker ein für den Organismus toxisches (=giftiges) Potential hat. Es wird auch nur noch eine Frage der Zeit sein, wann Zucker als ein wichtiger krebsfördernder Faktor anerkannt werden wird, auch in der öffentlichen Meinung, genauso wie heute der Zigarettenrauch als krebsfördernd oder sogar krebserregend angesehen wird.

Dr. Lustig ist in den USA mit seinen Thesen zum Zucker nicht unumstritten. Wenn Sie englisch gut verstehen, kann ich Ihnen zu diesem Thema den Beitrag in der New York Times (von Gray Taubes) empfehlen: Is sugar toxic?

Das gilt doch sicher nur für den “weißen” Haushaltszucker – oder?

Leider nein. Fruktose (Fruchtzucker) ist ein besonders übler Vertreter der Kohlenhydrate. Fruktose lässt den Insulin- und Leptinspiegel langfristig hochschnellen (trotz niedrigem glykämischem Index) und ist besonders an der Ausbildung der Insulin- und Leptinresistenz beteiligt. Sie ist ein besonders potentes entzündungsförderndes Molekül und produziert besonders häufig die sogenannten AGEs, die Advanced Glycation End Products. Dies sind in der Regel verzuckerte Verbindungen, meist mit Eiweißen, mit einem gediegenen krebserzeugenden Potential. Von Fruktose ist inzwischen auch bekannt, dass sie den Alterungsprozess beschleunigt.

Die physiologischen Wirkungen der Fruktose sind eigentlich ein Paradebeispiel, wie toxisch ein Kohlenhydrat sein kann. Aber auch hier sei vermerkt, dass Fruktose, so wie sie mengenmäßig in Früchten vorkommt, kein Problem für den Organismus darstellt. Denn hier ist die Menge so begrenzt, dass sich alles in einem physiologisch vernünftigen (natürlichem) Rahmen hält. Anders sieht es in der Industrienahrung aus. Hier wird „tonnenweise“ billige Fruktose in die Nahrungsmittel gekippt, erstens um die Herstellungskosten gering zu halten und zweitens um den “Opioideffekt” auf die Konsumenten zu gewährleisten. Böse Zungen behaupten: Drittens um die Welt krank zu machen, damit die Pharmaindustrie auch bald neue Kunden hat… Aber das geht ja nun wirklich zu weit.

Fazit

Die Zuckerflut bewirkt auf den Organismus eine Entgleisung der Kontrolle über seinen Stoffwechsel. Das regulierende Leptin wird wirkungslos, da es in zu hohen Konzentrationen vorliegt. Darüber hinaus bewirkt Zucker über das Belohnungszentrum des Gehirns ein Wohlgefühl über ein Dopaminsignal, dass ebenfalls im Laufe der Zeit abklingt. Resultat: Ohne Kontrolle und mit nachlassender Belohnung lechzt der Organismus nach einer erhöhten Nahrungsaufnahme und Gewährleistung seiner Belohnung.

Die Folge ist, dass Leptin und Insulin in ihrer regulierenden Wirkung für das Hungergefühl und den Blutzuckerspiegel unbrauchbar werden. Ihre hohen Konzentrationen jedoch setzen andere physiologische Wirkungen dieser Hormone nicht außer Kraft. Leptin erhöht nachhaltig Blutdruckwerte und Körpertemperatur, während Insulin mit dem Potential eines Wachstumshormons gefäßschädigende Wirkungen entfalten kann. Zucker, Leptin, Insulin, Sucht, Ernährung – dies ist ein komplizierter, aber perfekter Teufelskreis, wo kaum jemand ein Interesse hat, ihm zu entkommen. Und wie schwer “Süchtige” von Ihrer Droge zu befreien sind ist ja bekannt…

Was ist nun die gesunde Alternative? Ich persönlich finde Stevia sehr unappetitlich, da es einen seltsamen Eigengeschmack hat, es ist unglaublich schecht zu dosieren und überhaupt nicht mit dem raffinierten Zucker, den man gewohnt ist, zu vergleichen.

Eine gute Zusammenfassung habe ich hier gefunden.  Ich möchte euch diesen Zuckerersatzstoff ans Herz legen, denn er hat grob zusammengefasst folgende Vorteile:

  • schmeckt wie (bekannter) Zucker,
  • wird nicht verstoffwechselt (geht am Insolinspiegel vorbei und ist damit ideal für Diabetiker) und
  • bekämpft Karies (habe es selbst ausprobiert, da ich es nicht glauben konnte, ein Kariesloch verschwand zum Verwundern meiner Zahnärztin).

Ich beziehe mein Xylit, namens Xylitol, in einer großen Supermarktkette, da kosten 550g in kristaliner Form etwa 6€. Da ich jedoch selten Zucker zum süßen verwende, es eher als Anti-Karies-Mittel verwende, reicht so eine Dose mit gelbem Deckel fast ein halbes Jahr.

Etwas ausführlicher beschreiben es die Betreiber von gesundheit.de wie folgt:

Xylit (chemisch: Pentanpentol) gehört zur Gruppe der Zuckeralkohole, zu der beispielsweise auch Sorbit oder Lactit zählen. Es kommt vor allem in der Lebensmittelindustrie als Zuckeraustauschstoff zum Einsatz. Hier ist der Stoff besonders beliebt, da ihm eine antikariogene Wirkung nachgesagt wird. Xylit hat im Gegensatz zu gewöhnlichem Haushaltszucker (Saccharose) also keine schädigende Wirkung auf unsere Zähne, sondern soll sich sogar positiv auf unsere Zahngesundheit auswirken können.

Xylit (chemisch: Pentanpentol) gehört zur Gruppe der Zuckeralkohole, zu der beispielsweise auch Sorbit oder Lactit zählen. Es kommt vor allem in der Lebensmittelindustrie als Zuckeraustauschstoff zum Einsatz. Hier ist der Stoff besonders beliebt, da ihm eine antikariogene Wirkung nachgesagt wird.

Xylit hat im Gegensatz zu gewöhnlichem Haushaltszucker (Saccharose) also keine schädigende Wirkung auf unsere Zähne, sondern soll sich sogar positiv auf unsere Zahngesundheit auswirken können.

Xylit ähnelt vom Geschmack her normalem Haushaltszucker und besitzt auch nahezu die gleiche Süßkraft. Beim Verzehr sorgt es für einen kühlenden Effekt auf der Zunge, da es beim Kontakt mit dem Speichel der Umgebung Wärme entzieht.

Ähnlich wie bei Sorbit liegt auch bei Xylit der Kaloriengehalt unter dem von normalem Haushaltszucker. Während ein Gramm Saccharose etwa 4 Kalorien enthält, sind es bei Xylit nur 2,4 Kalorien pro Gramm. Da der Zuckerersatzstoff im Körper ohne Insulin verstoffwechselt werden kann, ist er auch für Diabetiker geeignet.

In Finnland wurde in den 70er Jahren die kariesreduzierende Wirkung von Xylit entdeckt. In mehreren Studien konnte eine deutliche Reduktion von Karies durch die Einnahme belegt werden. Dieser Effekt ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass die Bakterien, die für die Entstehung von Karies verantwortlich sind, Xylit nicht verstoffwechseln können und deswegen absterben.

Zudem soll durch Xylit die Speichelproduktion angeregt und die Remineralisierung der Zahnsubstanz gefördert werden. Durch die Verwendung sollen die Zähne außerdem glatter werden – was es Proteinen schwerer macht, sich an der Zahnoberfläche anzuheften. Darüber hinaus sollen sich durch den regelmäßigen Gebrauch des Zuckerersatzstoffes auch Plaque und Zahnstein leichter entfernen lassen.

Für eine optimale Zahnpflege soll angeblich eine Xylit-Menge zwischen fünf und zehn Gramm pro Tag eingenommen werden. Diese Menge kann beispielsweise über Pulver, Bonbons oder Kaugummis aufgenommen werden.

Ob Xylit schädliche Nebenwirkungen haben kann, ist bislang nicht bekannt. Für Behauptungen, wie dass Xylit krebserregend sei, gibt es bislang keine Nachweise.

Bei der Einnahme sollte jedoch beachtet werden, dass Xylit bei einer Dosis, die 0,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht überschreitet, eine abführende Wirkung haben kann.

Im Gegensatz zu Sorbit gewöhnt sich der Organismus jedoch mit der Zeit an eine höhere Xylit-Menge: So tritt bei einer regelmäßigen Einnahme der abführende Effekt langfristig nicht mehr auf. Trotzdem müssen Lebensmittel, die mehr als zehn Prozent des Zuckerersatzstoffes enthalten, mit dem Zusatz ‚kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken‘ gekennzeichnet werden.

Auch wenn Xylit beim Menschen bislang als gesundheitlich unbedenklich gilt, kam es in Tierexperimenten zu schweren Nebenwirkungen: So traten beispielsweise bei Hunden ein starker Abfall des Blutzuckerspiegels, eine schwere Schädigung der Leber sowie Gerinnungsstörungen auf.

Als natürliche Xylit-Quellen dienen verschiedene Obst- und Gemüsesorten. So kommt es beispielsweise in Blumenkohl sowie in Erdbeeren, Himbeeren und Pflaumen vor. Da der Zuckerersatzstoff auch in der Rinde der Birke in größeren Mengen vorhanden ist, wird er auch als Birkenzucker bezeichnet.

Auch in unserem Körper wird Xylit produziert – es handelt sich bei dem Zuckeralkohol also nicht um einen körperfremden Stoff. Es wird vom Körper beim Abbau von Kohlenhydraten hergestellt.

Die industrielle Gewinnung erfolgt heute vor allem aus abgeernteten Maiskolben. Da die Gewinnung aufwendig ist, ist der Zuckerersatzstoff deutlich teurer als gewöhnlicher Haushaltszucker. Kaufen kann man Xylit in Form von Pulver oder als Bestandteil von Kaugummis, Lutschbonbons, Mundsprays oder Zahncreme.

Xylit wird in der Küche zum Kochen und Backen immer beliebter, da es Zucker nahezu gleichwertiger ersetzt, aber nur die halbe Kalorienmenge besitzt. Mittlerweile gibt es viele Produkte, wie beispielsweise Schokolade, zu kaufen, in denen es anstatt Saccharose zum Süßen verwendet wird. In Lebensmitteln wird der Zusatzstoff Xylit mit der Nummer E967 gekennzeichnet.

Der Zuckerersatzstoff wird daneben auch in Kaugummis und Bonbons zur Zahnpflege verwendet. Dabei sollte man stets darauf achten, nur Produkte zu kaufen, die nur mit Xylit und nicht mit anderen Zuckerersatzstoffen gesüßt worden sind. Gerade bei Kaugummis ist dies jedoch häufig nicht der Fall.

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